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Mit dem Rauchen aufhören: Warum machen`s manche und andere nicht?

Rauchstoppbereitschaft

Die Mehrheit RaucherInnen möchte zu rauchen aufhören: In der Schweiz weisen 51 Prozent der RaucherInnen (Keller et al. 2010; n=2.500; 14- bis 25Jährige) eine Rauchstoppbereitschaft auf. Bei den täglichen RaucherInnen sind es sogar 55%. Laut einer Repräsentativerhebung an deutschen RaucherInnen am Arbeitsplatz denken 96% über das Aufhören nach, nur 3% wollen „sicher nicht“ aufhören (vgl. DÄK Magazin praxis+recht, 1/2008, n=1000). In der Steiermark wollen gemäß einer Ende 2009 durchgeführten Bevölkerungsbefragung der Tabakpräventionsstrategie Steiermark an 3.000 SteirerInnen ab 15 Jahren 52,5 Prozent der Rauchenden von der Zigarette loskommen (vgl. Fernandez/Posch 2011).

Motive für das Weiterrauchen

Trotzdem setzen nicht alle Aufhörwilligen ihr Vorhaben in die Tat um. Neben unterschiedlich intensiven körperlichen, psychischen und sozialen Abhängigkeiten sind ForscherInnen derzeit den Gründen für oder gegen einen Rauchstoppversuch auf der Spur. Welche Motive sind beim Aufhören besonders stark, welche Ausreden werden umgekehrt häufig gefunden, um es erst gar nicht zu probieren?

Eine Schweizer Studie (vgl. Radtke et al. 2011) zeigt, wie junge Raucherinnen und Raucher Ausreden gegen das Aufhören finden. 676 SchülerInnen aus 56 Schweizer Schulklassen wurden untersucht. Davon rauchten 244 zumindest gelegentlich. Befragt, warum sie nicht aufhören, wurden drei Hauptargumente gebracht, die die ForscherInnen allesamt als "Kompensatorische Gesundheitsüberzeugungen" identifizieren: „Ich mache ja Sport“, „Ich ernähre mich ja gesund“ und „Ich rauche zwar, aber trinke keinen Alkohol.“ Diese kompensatorischen Gesundheitsüberzeugungen würden helfen, das schlechte Gewissen zu beruhigen, so Hauptautorin Theda Radtke in einem Interview mit der Basler Zeitung. In anderen Bereichen gesund zu leben, könne jedoch die negativen Folgen des Rauchens nicht minimieren.

Auch ein finnisches Forschungsteam (vgl. Heikkinen et al. 2010) stellte in qualitativen Interviews an 24- bis 58-jährigen RaucherInnen fest, dass es Muster in der Argumentation fürs Weiterrauchen gibt. Die häufigsten Argumente waren gesundheitsfördernde Aktivitäten (z.B. gesunde Ernährung) als Kompensation, Rauchen als das “kleinere” Übel im Vergleich zu anderen Gesundheitsrisiken (z.B. Motorradfahren), die Vermutung, wenig zu rauchen sei nicht gesundheitsschädlich und rauchende Vorbilder, die alt wurden. Es fand eine Ausblendung negativer Folgen des Rauchens wie z.B. Gesundheitsrisiken statt, stellte das Forschungsteam fest.

Motive für das Aufhören

Umgekehrt gibt es auch besonders häufige und besonders wirkungsvolle Motive für den Rauchstopp. Besonders wichtig scheinen soziale Motive zu sein. In einer französischen Studie an fast 14.000 RaucherInnen, die bereits für ein Entwöhnseminar registriert waren, wurden fünf Hauptmotive fürs Aufhören festgestellt (vgl. Baha/Le Faou 2010):
  • Gesundheitliche Motive (55,0%)

  • Finanzielle Motive (24,2%)

  • Motivation oder Druck von Anderen (20,9%)

  • Ein gutes Vorbild sein wollen (20,7%)

  • Rauchfreies soziales Umfeld (20,3%)


  • Motivation oder Druck von Anderen, der Wunsch, ein gutes Vorbild zu sein und ein rauchfreies soziales Umfeld wurden zu „soziale Motive“ zusammengefasst. Soziale Motive scheinen besonders wirkungsvoll zu sein. Die Studie stellte fest, dass gesundheitliche Bedenken und Kostenersparnis zwar am häufigsten als Ausstiegsmotive genannt wurden. Besonders nachhaltig wirkten jedoch soziale Gründe als Ausstiegsmotive. Ex-RaucherInnen, die soziale Gründe als Ausstiegsmotiv angegeben hatten, wurden am seltensten rückfällig.

    Eine dänische Studie (Pisinger et al. 2011) untersuchte Unterschiede zwischen sozioökonomischen Schichten. Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status gaben demnach besonders häufig finanzielle Gründe für ihren Rauchstopp an. Sie berichteten auch eher über ihre Befürchtung, an Entzugserscheinungen zu leiden und in Stresssituationen rückfällig werden zu können. Eine deutsche Untersuchung (Reime et al. 2006) an aufhörwilligen Arbeiterinnen und Arbeitern stellte gesundheitliche und finanzielle Gründe als Hauptmotive fest, aber auch das "gesellschaftliche Image von Raucherinnen und Rauchern" spielte eine Rolle für den Entschluss, mit dem Rauchen aufzuhören.

    Zum Weiterlesen:
    Baha M, Le Faou AL (2010), Smokers´ reasons for quitting in an anti-smoking social context. Public Health, Volume 124, Issue 4, Pages 225-231 (April 2010).

    Heikkinen H, Patja K, Jallinoja P (2010), Smokers´ accounts on the health risks of smoking: why ist smoking not dangerous for me? Soc Sci Med. 2010 Sep;71(5):877-83. Epub 2010 Jun 16.

    Pisinger C, Aadahl M, Toft U, Jørgensen T (2011): Motives to quit smoking and reasons to relapse differ by socioeconomic status. Prev Med. 2011 Jan;52(1):48-52. Epub 2010 Nov 1.

    Radtke T, , Scholz U, Keller R, Knäuper B, Hornung R (2010): Smoking-specific compensatory health beliefs and the readiness to stop smoking in adolescents. Br J Health Psychol. 2011 Sep;16(3):610-25. doi: 10.1348/2044-8287.002001. Epub 2010 Dec 3.

    Radtke T, Scholz U, Keller R, Hornung R (2011): Smoking is ok as long as I eat healthily: Compensatory Health Beliefs and their role for intentions and smoking within the Health Action Process Approach. Psychol Health. 2011 Aug 4.

    Reime B, Ratner PA, Seidenstücker S, Janssen PA, Novak P (2006): Motives for smoking cessation are associated with stage of readiness to quit smoking and sociodemographics among German industrial employees. Am J Health Promot. 2006 Mar-Apr;20(4):259-66.

    Factsheet "Tabakentwöhnung"

    Wie groß ist die Bereitschaft der steirischen RaucherInnen, mit dem Rauchen aufzuhören? Warum kennt jede/r RaucherIn einen 90-jährigen, der sich trotz jahrzehntelangem Tabakkonsum bester Gesundheit erfreut? Dies und vieles mehr (besonders steirische Daten) verrät das Factsheet "Tabakentwöhnung".

    Die richtige Vorbereitung

    Ein Rauchstopp steht und fällt neben der Auswahl der passenden Methode zum Rauchstopp mit der richtigen Vorbereitung. Sorgfältige Planung ist gerade im Hinblick auf Ihr Ziel künftig nicht mehr zu rauchen, ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Zwar erfordert eine gründliche Planung etwas Zeit, doch der Aufwand lohnt sich, denn gut vorbereitet stehen die Chancen gut, auf Dauer NichtraucherIn zu bleiben.

    Hier finden Sie ein paar Tipps für Ihren Start ins rauchfreie Leben:

  • Beobachten Sie mit Hilfe des Rauchprotokolls Ihr Rauchverhalten. Stellen Sie fest, in welchen Situationen oder bei welcher Gelegenheit Sie besonders oft zur Zigarette greifen und überlegen Sie sich, was Sie stattdessen in Zukunft tun könnten.

  • Sammeln Sie Gründe, die fürs Aufhören sprechen. So können Sie eine persönliche Liste "Pro und kontra Rauchen" erstellen. Schreiben Sie jeden einzelnen Ihrer persönlichen Gründe auf ein eigenes Blatt und kleben Sie diese an all jenen Stellen auf, die Sie tagtäglich möglichst oft im Blickfeld haben z.B. auf den Fliesen neben der Toilettepapierrolle, an der Kühlschranktüre, am Wäscheschrank, neben der Kaffeemaschine, am PC etc.

  • Lassen Sie sich von Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin oder Ihrer/Ihrem ApothekerIn über die verschiedenen Therapiemöglichkeiten und Medikamente zur Rauchentwöhnung beraten.
  • Zu rauchen aufhören

  • Legen Sie fürs Aufhören ein bestimmtes Datum fest, den "Tag X", Ihren ersten Tag ohne Zigarette. Wählen Sie dafür einen Zeitpunkt, an dem Sie aller Voraussicht nach nicht stark gefordert und gestresst sind; an dem Sie sich mit etwas beschäftigen können, das Ihnen Spaß macht und nicht viele Situationen zu erwarten sind, die bei Ihnen den Griff zur Zigarette auslösen.

  • Schließen Sie mit sich selbst einen Nichtraucher-Vertrag ab. Denn wer sein Ziel schriftlich fixiert, verstärkt sein Engagement und hat weniger Schwierigkeiten, den eingeschlagenen Weg einzuhalten. Geben Sie Ihrem Vertrag noch zusätzliche Bedeutung indem Sie Ihn von jemandem mitunterschreiben lassen, dessen Meinung Ihnen wichtig ist. Hängen Sie den Nichtraucher-Vertrag gut sichtbar auf und vergegenwärtigen Sie sich Ihr Ziel in schwachen Momenten immer wieder aufs Neue.

  • Suchen Sie sich eine/n MitstreiterIn. Gemeinsam mit dem Rauchen aufzuhören erleichtert den Ausstieg.

  • Erzählen Sie Ihrer Familie, Ihren Freunden, Bekannten und Kollegen von Ihrem geplanten Rauchstopp. Sie gewinnen damit einerseits Verbündete und erhalten Unterstützung. Zum anderen entsteht für Sie dadurch eine gewisse Verpflichtung - denn je mehr Sie Ihren Entschluss mit dem Rauchen aufzuhören "an die große Glocke hängen", desto schwieriger ist es, wieder mit dem Rauchen anzufangen.

  • Entfernen Sie am Vorabend des geplanten Rauchstopps alle Zigaretten und Rauchutensilien wie Aschenbecher, Feuerzeuge etc. aus Ihrer Wohnung.

  • Für stark abhängige RaucherInnen ist Unterstützung durch TabakentwöhnungsexpertInnen empfehlenswert - etwa in einem Gruppenseminar, körperliche, soziale und psychische Abhängigkeit berücksichtigt. Bei starker körperlicher Abhängigkeit könnte darüber hinaus Nikotinersatz hilfreich sein. Leicht abhängige RaucherInnen können sich beim Aufhören von interaktiven Rauchstopp-Methoden unterstützen lassen.

  • Besorgen Sie sich ein Sparschwein – am besten aus Glas – so können Sie sich jeden Tag anschauen, wie viel Geld Sie sich durchs Nichtrauchen bereits erspart haben und schon mal zu überlegen beginnen, welchen „Luxus“ Sie sich mit dem zusätzlichen Körberlgeld gönnen. Auch ein Gewinnrechner zeigt Ihnen an, wie viel Geld, Schadstoffe und Lebenszeit Sie durch das Aufhören gewinnen können.
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